Umgang mit kalthärtenden Epoxidharzen

Zusammenfassung

 
Überblick

Epoxidharze werden aufgrund ihrer technischen Eigenschaften vielseitig eingesetzt. Daher ist es in vielen Anwendungsbereichen nicht möglich, Epoxidharz-Produkte durch andere Produkte zu ersetzen. Das Problem beim Umgang mit Epoxidharzen ist, dass die Inhaltsstoffe des Harzes und des Härters schwere allergische Hauterkrankungen auslösen können. Kann auf den Einsatz von Epoxidharzen nicht verzichtet werden, muss Hautkontakt mit den Epoxidharzen unbedingt vermieden werden. Dazu stehen unterschiedliche technische Möglichkeiten zur Verfügung. Epoxidharze dürfen nie ohne Persönliche Schutzausrüstung verarbeitet werden. Besonders wichtig ist dabei die Verwendung geeigneter Schutzhandschuhe.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

1 Epoxidharze – Licht und Schatten

1.1 Eigenschaften und Verwendung von Epoxidharzen

Epoxidharzsysteme werden in vielen Branchen eingesetzt. Hintergrund sind die ausgezeichneten Materialeigenschaften, die die ausgehärteten Produkte besitzen. Epoxidharze werden z. B. verwendet als Spezialkleber (Metall, Bootsbau), zur Bodenbeschichtung, für die Betonreparatur, zur Rohrinnensanierung, für verschiedene Gussverfahren und vieles mehr.

Da die Harze und die Härter aus einer Vielzahl von Einzelstoffen zusammengesetzt werden können, lässt sich die gewünschte Eigenschaft des Produktes durch eine entsprechende Auswahl der Inhaltstoffe einstellen.

Ausgehärtete Epoxidharze zeichnen sich vor allem durch folgende Eigenschaften aus:

  • Exzellente mechanische Eigenschaften bieten Schutz vor physikalischen Einwirkungen.
  • Sehr gute chemische Beständigkeit schützt Beton und Metalle vor einer Vielzahl aggressiver Medien.
  • Zugelassen für Anwendungen mit Lebensmittel- und Trinkwasserkontakt.

Aufgrund der hervorragenden Materialeigenschaften werden maßgeschneiderte Epoxidharz-Produkte zunehmend auch in Bereichen angewendet, in denen sie bisher noch nicht vertreten waren, z. B. im Heimwerkerbereich.

1.2 Erkrankungen durch Epoxidharze

Sowohl die Epoxidharze als auch viele der in den Härterkomponenten enthaltenen Chemikalien sind sehr starke Allergene, die schwere Hauterkrankungen hervorrufen können.

Hohe Erkrankungszahlen werden überall dort beobachtet, wo Epoxidharze überwiegend handwerklich verarbeitet werden. Etwa zwei Drittel aller gemeldeten Erkrankungen stammen aus Betrieben der Bauwirtschaft, der Metallindustrie, der Feinmechanik und Elektrotechnik (Abb. 1).

Abb. 1: Durch Epoxidharz verursachte Hauterkrankungen in den verschiedenen Branchen[1]

Viele Hauterkrankungen entstehen dadurch, dass die Materialien ohne die notwendigen Vorsichts- und Schutzmaßnahmen verarbeitet werden, weil sich die Anwender des sensibilisierenden Potenzials der nicht ausgehärteten Produkte nicht bewusst sind.

Im Gegensatz zu vielen anderen Berufsallergenen treten Hautreaktionen gegenüber Epoxidharzen bei vielen Beschäftigten bereits nach einer sehr kurzen Sensibilisierungsphase von wenigen Tagen oder Wochen auf. Viele Betriebe berichten, dass bereits innerhalb der Probezeit neuer Mitarbeiter hauterkrankungsbedingte Arbeitsunfähigkeitszeiten auftreten.

Bei bereits sensibilisierten Personen führt jeder erneute Kontakt mit den allergieauslösenden Substanzen zu einem neuen Krankheitsschub.

Eine Besonderheit der epoxidharzbedingten Kontaktekzeme ist, dass die Hautreaktionen nicht nur an den direkten Kontaktstellen (Hände, Unterschenkel), sondern auch sehr massiv im Gesicht, im Nacken und an anderen unbedeckten Körperstellen auftreten können.

Selbst unter optimierten Schutzmaßnahmen können Beschäftigte mit einer Epoxidharzallergie meist nicht weiter mit diesen Materialien umgehen, ohne dass es immer wieder zu Erkrankungsschüben kommt. Bei einigen Personen reicht es zum Auslösen der allergischen Reaktionen aus, wenn nur in der Nähe mit epoxidharzhaltigen Materialien gearbeitet wird. Restentleerte Gebinde oder Produktspritzer an der Arbeitskleidung können diese Reaktionen ebenfalls auslösen. Bei diesen Personen führt nur ein Tätigkeits- oder Berufswechsel an einen Arbeitsplatz ohne Epoxidharzkontakt zu einem dauerhaften Abheilen der Hauterkrankung.

[1] Quelle: DGUV Referat BK-Statistik.

1.3 Diagnostik von Epoxidharzerkrankungen

Eine Sensibilisierung gegenüber Epoxidharzen wird mit dem Epikutantest diagnostiziert. Dabei werden Allergene in standardisierter Form in kleinen Testkammern auf die Haut des oberen Rückens aufgebracht. Nach einer 24- oder 48-stündigen Exposition werden die Testpflaster entfernt. Wenn eine Sensibilisierung vorliegt, zeigt sich eine allergische ("positive") Reaktion, die je nach Schweregrad dokumentiert wird. Kontaktallergien gegen Epoxidharze wurden in den vergangenen Jahren seltener diagnostiziert als sie tatsächlich sind. Hintergrund war, dass bei Weitem nicht alle Inhaltsstoffe von Epoxidharzsystemen als Testsubstanzen für den Epikutantest kommerziell erhältlich waren.[1]

Diese unbefriedigende Situation war Anlass für den Inform...

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