Klimafreundliches Bauen und Sanieren muss "Mainstream" werden

Das Klimaschutzprogramm 2030 und das Konjunkturpaket stellen Milliarden Euro für die Energiewende bereit – auch in Wohnhäusern. Jetzt komme es darauf an, das Geld intelligent zu nutzen, damit klimafreundliches Bauen und Sanieren zum "Mainstream" wird, heißt es im Dena-Gebäudereport 2021.

Das Thema Energiewende ist mit dem Wahlkampf 2021 wieder in den Mittelpunkt der politischen Agenda gerückt. Das betrifft auch die Immobilienbranche: Die CO2-Emissionen im Gebäudebereich müssen bis 2030 ausgehend von derzeit rund 120 Millionen Tonnen deutlich reduziert werden, damit die ambitinionierten Klimaziele auf nationaler und auf EU-Ebene erreicht werden können.

Der jährlich erscheinende Dena-Gebäudereport im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zeigt auch in der aktuellen Version mit Überblicken und Grafiken, wo wir bei der Wärmewende stehen, wo Dinge noch in Bewegung sind, welche Förderprogramme es gibt und wie sie abgerufen werden. Erstmals werden außerdem drei Fokusthemen beleuchtet, die in Zukunft – auch wegen der Wechselwirkungen untereinander – eine große Rolle für einen klimafreundlicheren Gebäudebestand spielen werden: Wärme- und Kältewende, Green Finance und Ressourcen im Bauwesen.

"Klar ist: Durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz erleben wir eine neue Dringlichkeit im Klimaschutz. Und auch in der EU gehen die Prozesse im Rahmen des Green Deal weiter. Positive Entwicklungen, die dem Gebäudesektor hoffentlich Antrieb geben können", so Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Energieagentur Dena.

Wärme- und Kältewende im Gebäudebereich

Das Kapitel "Wärme- und Kältewende im Gebäudebereich" verdeutlicht den immensen Endenergiebedarf durch Heizung (und Kühlung) in Gebäuden. "Mit 76 Prozent hat die Raumwärme den größten Anteil am Gebäudeenergieverbrauch", heißt es im Dena-Gebäudereport 2021. Wegen der hohen Anzahl von rund 19 Millionen Wohngebäuden in Deutschland fallen bei diesen 66 Prozent des gesamten Gebäudeenergieverbrauchs an. Dabei wird die Energie in Wohngebäuden vor allem durch Raumwärme und Warmwasser verbraucht. Es wird derzeit vor allem Gas als Energieträger verwendet; im Kältebereich Strom.

In Deutschland ist der Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch Wärme 2020 laut Dena auf rund 15,2 Prozent gestiegen – Biomasse dominiert die Erneuerbaren, gefolgt von oberflächennaher Geothermie, dem biogenen Anteil des Abfalls und Solarthermie. Wird die Änderung von 2019 zu 2020 betrachtet, wurden alle erneuerbaren Wärmeerzeugungsquellen, bis auf die Biomasse, ausgebaut, sodass 2020 nahezu 180 TWh aus Erneuerbaren erzeugt wurden. Die Wärmeerzeugung aus oberflächennaher Geothermie verzeichnete einen Anstieg um 9,5 Prozent von 2019 bis 2020.

Der Dena-Report analysiert den aktuellen Stand der Technik, zeigt aber auch Potenziale und soll helfen, Planungsentscheidungen zu treffen. Anfang 2020 wurde zum Beispiel das Förderprogramm "Heizen mit Erneuerbaren Energien" vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) neu aufgelegt. Es wurde laut Dena 3,9-mal so häufig wie das Vorgängerprogramm im Vorjahr beantragt. Bei 40 Prozent der Anträge wurde die Förderung erhöht, da Ölkessel ersetzt wurden.

Green Finance – wichtiger Hebel für den Klimaschutz

Damit die EU das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 erreicht, muss der Gebäudebestand bis dahin dekarbonisiert werden. "Da die öffentlichen Förderungen nicht ausreichen werden, um die nötigen Investitionen zu finanzieren, hat die EU verschiedene regulatorische Maßnahmen ergriffen, um privates Kapital in energieeffiziente und klimafreundliche Gebäude zu lenken", heißt es im Report.

Der Finanzsektor entwickelt sich zu einem immer wichtigeren Hebel, um sogenannte grüne Investitionen im Gebäudesektor und in der gesamten Energiewende zu ermöglichen. Die EU nimmt auf der regulatorischen Ebene für die Finanzwirtschaft eine Vorreiterrolle beim Thema Sustainable beziehungsweise Green Finance ein: Etwa durch den "EU Action Plan: Financing Sustainable Growth" und dessen Aktualisierung im Rahmen des sogenannten Green Deals oder der Non-Financial Reporting Directive (NFRD).

Auch in Deutschland wurden wichtige Impulse gesetzt. Dazu gehören der Dena zufolge die Ausführungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hinsichtlich Nachhaltigkeitsrisiken in Bezug auf den Gebäudebereich und die Berufung des Sustainable-Finance-Beirats, der Empfehlungen für die Bundesregierung erarbeiten soll.

Zu den "grünen" Finanzprodukten für Gebäude zählt die Dena im 2021er-Report unter anderem auch öffentliche Förderkredite, die an ökologische oder energetische Kriterien gebunden sind, etwa aus dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm.

Materialeffizienz: Schlüsselrolle beim Bauen und Sanieren

Immer mehr an Bedeutung gewinnt laut Dena der Umgang mit nicht erneuerbaren Ressourcen. "Die Effekte für den Klimaschutz sind enorm, wenn der Einsatz der Ressourcen verbessert werden kann", schreiben die Studienautoren. Demnach gehen zirka 50 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen direkt oder indirekt auf die Gewinnung und Verarbeitung von fossilen Brennstoffen, Biomasse, Erzen und Mineralien zurück.

Das Bauwesen hat der Dena zufolge einen erheblichen Einfluss auf den Rohstoffeinsatz und den Ressourcenverbrauch; alleine in Deutschland werden pro Jahr 517 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe in Gebäuden verbaut, das sind 90 Prozent des inländischen Verbrauchs – dabei wäre das Einsparpotenziale erheblich. Das Wiederverwendungspotenzial aller verbauten Rohstoffe im Bauwesen liege heute bei zirka sieben Prozent, heißt es in dem Report, und könnte bei positiven Rahmenbedingungen bis 2050 auf bis zu 20 Prozent angehoben werden.

Der Blick richtet sich zunehmend auf die Möglichkeiten der Weiternutzung und Wiederverwendung der von bereits verbauten und genutzten Materialien. Die EU hat mit dem Aktionsplan "Circular Economy" einen Rahmen geschaffen, der ein Umdenken im Sinne der Kreislaufwirtschaft auslösen soll. In Deutschland wird die schadlose Entsorgung von mineralischen Abfällen über das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) geregelt.

Projekt "Dena-Gebäudereport 2021: Fokusthemen zum Klimaschutz im Gebäudebereich" (pdf)


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