Wohnungsmarkt: Soziale Vermieter dämpfen Mietpreisentwicklung

Die Wohnungsmieten bei Wiedervermietung ziehen weiter an, wie Zahlen von ImmoScout24 zeigen. Weit unter dem Durchschnitt der bei Online-Maklern inserierten Mietpreise bieten die im GdW organisierten Vermieter ihre Wohnungen an, wie der Verband mitteilt. Das schönt die Statistik.

Die Nettokaltmieten der Wohnungen der im Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW organisierten Unternehmen lagen im ersten Quartal 2021 deutschlandweit bei durchschnittlich 5,86 Euro pro Quadratmeter und Monat. Dieses günstige Preisniveau zeigt sich auch bei den Mietangeboten, wie aus einer aktuellen Umfrage des GdW hervorgeht.

Die Nettokaltmieten für Bestandswohnungen, die wieder vermietet werden, liegen bei den GdW-Wohnungsunternehmen demnach aktuell im Schnitt bei 6,37 Euro pro Quadratmeter und Monat – das sind nach Berechnungen des GdW 0,81 Euro (oder 11,3 Prozent) weniger als die bei den Internetportalen veröffentlichten Durchschnittswerte. Bei Neubauwohnungen liegen die Quadratmeterpreise der Wohnungsunternehmen bei 8,31 Euro – 1,27 Euro oder 13,3 Prozent teurer sind die durchschnittlichen Neubaumieten von Online-Plattformen.

GdW-Chef: "Wohnungsunternehmen sind gelebte Mietpreisbremse" 

Besonderes krasse Unterschiede zu den Angebotsmieten im Internet und den Mieten der sozial orientierten Wohnungsunternehmen macht die GdW-Umfrage in zwei ausgewählten Städten aus. In Frankfurt am Main etwa liegen die Preise der sozialen Vermieter um 4,98 Euro (41 Prozent) unter denen der von den Online-Vermietungsportalen angegebenen Durchschnittswerte. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Angeboten für erstmals zu vermietende Neubauwohnungen. Hier liegen die Mieten bei den befragten Wohnungsunternehmen um 1,33 Euro (zehn Prozent) niedriger als die im Netz.

Auch in München wird das Gefälle bei den Mieten deutlich: Hier liegen die durchschnittlich verlangten Wohnungsmieten im Bestand bei den GdW-Unternehmen bei 7,37 Euro pro Quadratmeter, bei Wiedervermietung werden 8,17 Euro fällig und für Neuvertragsmieten 10,15 Euro. Wie die GdW-Umfrage zeigt, lagen die Angebotsmieten für wieder zu vermietende Bestandswohnungen damit in München sogar um 49 Prozent (oder 8,25 Euro) niedriger als die von Online-Vermietungsportalen angegebenen Durchschnittswerte; bei den Neuvermietungen liegt die Differenz bei 44,8 Prozent in der bayrischen Hauptstadt.

"Die Wohnungsunternehmen in Deutschland sind die sozialen Vermieter und die gelebte Mietpreisbremse", sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko. Eine eindeutige und verlässliche Erhebung von Daten zur Mietpreisentwicklung sei überfällig, so Gedaschko.

ImmoScout24: Berliner Mieten ziehen nach Mietendeckel-Aus an

Laut ImmoScout24 sind die Mietpreise für Wiedervermietungen im Jahresvergleich im bundesweiten Schnitt um drei Prozent auf 7,18 Euro pro Quadratmeter und Monat und für Neubauwohnungen um 5,3 Prozent auf 9,58 Euro gestiegen. Der Online-Makler stützt sich dabei auf Daten von 8,5 Millionen Inseraten der vergangenen fünf Jahre. Das Interesse an Bestandswohnungen zur Miete sei mit zwölf Kontaktanfragen pro Inserat und Woche im Durchschnitt doppelt so hoch ist wie an neuen Mietwohnungen.

"Wir gehen daher davon aus, dass die Mietpreise für Bestandswohnungen in den nächsten Monaten im gesamtdeutschen Mittel um 2,5 Prozent und im Neubausegment sogar um 4,3 Prozent steigen werden", schätzt Dr. Thomas Schroeter, Co-CEO von ImmoScout24, die zukünftige Preisentwicklung ein. Die höchsten Preissteigerungen werden für Kölner Mietwohnungen im Bestand (plus 4,3 Prozent) erwartet, gefolgt von Berlin und München mit jeweils 3,2 Prozent und Hamburg und Frankfurt mit jeweils 2,8 Prozent. Das teuerste Pflaster für Mieter bleibt München mit 15,95 Euro pro Quadratmeter.

Die Berliner Angebotsmieten für das zuvor Mietendeckel-relevante Segment mit Baualter vor 2014 stiegen laut ImmoScout24 seit dem 15.4.2021 im Durchschnitt um 90 Cent pro Quadratmeter an. Das entspricht einer Preisanpassung um sieben Prozent. Dieser Trend sei für alle Gruppen von Wohnungsanbietern sichtbar – mit Einschränkung privater Wohnungsgesellschaften, bei denen das Niveau der Angebotsmieten im Durchschnitt sogar zurückging, heißt es in der Analyse. Zum Vergleich: In Frankfurt und München stiegen die Angebotsmieten im gleichen Alterssegment demgegenüber seit Mitte April nur um 0,5 beziehungsweise 0,3 Prozent.

Die öffentlichen Wohnungsgesellschaften boten ImmoScout24 zufolge mit durchschnittlich sechs bis sieben Euro pro Quadratmeter die günstigsten Bestandsmietwohnungen mit Baujahr vor 2014 in Berlin an. Privatwirtschaftliche Wohnungsgesellschaften lagen mit durchschnittlich acht bis neun Euro leicht darüber.


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