Klimabilanz: CO2-Emissionen im Gebäudesektor gesunken

Die CO2-Emissionen im Gebäudebereich sind im vergangenen Jahr leicht gesunken – das reicht aber noch lange nicht. Die Bundesregierung rechnet mit einem "bedeutenden Investitionsbedarf", damit die Klimaschutzziele in Häusern erreicht werden. Vor allem im Bestand seien enorme Sanierungen nötig.

Die Treibhausgasemissionen (CO2-Emissionen) sind im vergangenen Jahr gegenüber dem Referenzjahr 1990 deutschlandweit über alle Sektoren hinweg um mehr als 40 Prozent geschrumpft, heißt es in der Klimabilanz 2020, die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) im März 2021 vorstellte. Das sei mehr als erwartet – nur ein Sektor habe den Plan verfehlt: der Gebäudebereich.

Novelle des Klimaschutzgesetzes: Hohes Maß an Energieeffizienz in Häusern erforderlich

Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion vom 4.6.2021 geht jedoch hervor, dass der CO2-Ausstoß im Gebäudesektor 2020 um 3.461 Kilotonnen auf 120.000 Kilotonnen CO2-Äquivalente gesunken ist, nachdem er im Jahr davor noch angestiegen war. Das klingt zunächst vielversprechend, doch es gibt noch viel zu tun: In der Novelle des Klimaschutzgesetzes hat die Große Koalition ein Minderungsziel von 67 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente bis 2030 festgeschrieben. "Dieses Ziel soll über ein hohes Maß an Energieeffizienz sowie den Einsatz erneuerbarer Energien für die Wärmeerzeugung sowohl in Wohn- als auch Nichtwohngebäuden erreicht werden", erklärt sie in der Vorlage. Die Bundesregierung rechnet dafür mit einem "bedeutenden Investitionsbedarf", den sie auf eine untere einstellige Milliardensumme schätzt.

Wie der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen erklärt, sind in den kommenden zehn Jahren vor allem im Bestand umfassende Sanierungen erforderlich, um die Klimaschutzziele im Gebäudesektor zu erreichen. Laut der FDP-Fraktion ist die Steigerung der Sanierungsquote eine der größten Herausforderungen. Sie liege derzeit mit zirka einem Prozent viel zu niedrig, um signifikante Fortschritte bei der Energieeffizienz im Gebäudesektor zu erreichen.

Parallel zur Novelle des Klimaschutzgesetzes hat die Bundesregierung im Mai noch ein "Sofortprogramm 2022" beschlossen, das zusätzliche Maßnahmen enthält, damit Deutschland wie geplant bis 2045 klimaneutral wird.

CO2-Bilanz: Alle Sektoren profitieren von Corona, nur der Gebäudebereich nicht

Um 40,8 Prozent sei der Ausstoß von CO2-Emissionen im vergangenen Jahr in Deutschland gesunken, sagte Ministerin Schulze im März. Damit sei ein Etappenziel beim Klimaschutz erreicht worden. Für rund ein Drittel der CO2-Reduktion war die demnach die Corona-Pandemie verantwortlich.

Während der gesunkene Stromverbrauch in gewerblichen Immobilien und weniger Produktion in der Industrie die CO2-Bilanz begünstigte, war der Gebäudesektor durch die Pandemie zusätzlich belastet. Etwa weil Wohnungen mit Homeoffice mehr geheizt wurden oder Nichtwohngebäude trotz weniger Nutzung in Betrieb gehalten werden mussten. "Im Gebäudesektor muss mehr passieren, die Zahlen sagen das ganz eindeutig", sagte Schulze.

Das CO2-Monitoring wurde neu eingeführt und soll nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur (Dena) jährlich stattfinden. Die Zahlen dienen zur Bewertung der im Klimaschutzgesetz verbindlich festgelegten Ziele zur CO2-Reduktion der einzelnen Sektoren. Bei Zielverfehlungen müssen die Bundesressorts des jeweiligen Sektors innerhalb von drei Monaten Sofortmaßnahmen vorlegen.

Immobilienbranche: Gezielte Förderung von Investitionen in die energetische Gebäudesanierung

Wie es in der Antwort der Bundesregierung an die FDP-Fraktion heißt, werden in einer Studie aus dem Jahr 2020 im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) Kombinationen von energetischen Modernisierungsmaßnahmen aufgezeigt, mit denen zielkonforme CO2-Einsparungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden erreicht werden können. Beispielhafte Berechnungen der Einsparpotenziale von energetischen Sanierungen unter anderem für Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser und Reihenhäuser zeigen, dass je nach Umfang der Maßnahmen CO2-Einsparungen von rund 15 bis mehr als 90 Prozent machbar wären.

"Wir sind beim Klimaschutz im Gebäudesektor auf einem guten Weg. Seit 1990 haben wir 90 Millionen Tonnen CO2 eingespart", sagte Thomas Zinnöcker, Vizepräsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) vor drei Monaten. Trotzdem seien die Ziele nicht erreicht worden. Das seit dem 1. Januar laufende Bundesförderprogramm für effiziente Gebäude (BEG), das im Juli in die zweite Phase starten wird, könnte aber helfen, voranzukommen, meinte Zinnöcker.

Die Immobilienwirtschaft brauche die Rückendeckung der Politik und keine erneuten verschärften Regulierungen und Auflagen, sondern die gezielte Förderung von Investitionen in die energetische Gebäudesanierung und den Abbau steuerlicher Hemmnisse, bekräftigte Zinnöcker alte Forderungen.

Hohe Einsparpotenziale sieht die Bundesregierung unter anderem bei nachhaltigen Bau- und Dämmstoffen, der besseren Einbeziehung des gesamten Lebenszyklus (wie "Cradle to Cradle") von Baumaterialien in die Bauplanung und bei Klima- und Lüftungsanlagen.


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