Wohnungsbau-Tag: Hohe Ansprüche an die (neue) Bundesregierung

Zu hohe Baukosten, zu viele Sozialwohnungen, die aus der Bindung fallen, zu wenig bezahlbarer Wohnraum – die Immobilienbranche forderte auf dem diesjährigen Wohnungsbau-Tag in Berlin deutlich mehr Engagement von der neuen Bundesregierung. Eine neue Wohnbaustudie zeigt, wie es gehen könnte.

Jährlich sollen mindestens 80.000 neue Sozialwohnungen gebaut werden, dazu müsse ein hoher Anteil an bezahlbaren Wohnungen kommen. "Diese Zielmarke des 12. Wohnungsbau-Tages können wir nur unterstreichen", erklärte der Präsident des Deutschen Mieterbundes (DMB), Lukas Siebenkotten, anlässlich des Corona-bedingt virtuellen Termins in Berlin.

Bundesweit sind 12,7 Millionen Haushalte auf eine Wohnung im unteren oder mittleren Preissegment angewiesen – das sind 56 Prozent der Mieterhaushalte und 22,8 Millionen Menschen, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Aktion "Impulse für den Wohnungsbau", zu der neben dem DMB unter anderem auch der Spitzenverband der Wohnunsgwirtschaft GdW, der Bundesverband der privaten Immobilienwirtschaft BFW und der Immobilienverband Deutschland (IVD) gehören. Vordringliche Aufgabe der neuen Bundesregierung, die am 26. September gewählt werde, müsse es sein , ein "Nachhol-Paket" beim sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau zu schnüren, so das Verbändebündnis.

Die derzeitige Bundesregierung rechnete sich in ihrer Bilanz Ende Februar 2021 die Bauzahlen eher schön: Vom angepeilten Bau von 1,5 Millionen neuen Wohnungen bis zum Jahr 2025 werden 300.000 zu wenig fertiggestellt sein – das federführende Bauministerium unter Horst Seehofer (CSU) verwies dabei auf den Bauüberhang und darauf, dass viele bereits genehmigte Wohnungen schließlich noch gebaut würden.

Wohnungsbau: Bauland fehlt und ist zu teuer

Seit Jahren beklagt die Immobilienbranche, dass für den dringend benötigten Wohnungsneubau vor allem das Bauland fehle. Dazu kommt: Die knappe Ware wird immer teurer. Die Preise für Baugrundstücke ist dem Bündnis zufolge in den vergangenen sechs Jahren um 45 Prozent "regelrecht nach oben geschossen" – im gleichen Zeitraum seien die Verbraucherpreise nur um 6,9 Prozent gestiegen. Daher müssten dringend zusätzliche Baugrundstücke mobilisiert werden.

Für die Kommunen forderten die Verbände eine Bodenpolitik, bei der Städte und Gemeinden Flächen überplanen, die sie selbst vorher zu einem bezahlbaren Preis kaufen, heißt es im "Akutplan 2025" vom Verbändebündnis Wohnungsbau. Viele der von der Politik angestoßenen Maßnahmen seien zu kurzfristig konzipiert. Auch die Bauland-Novelle, die am 7. Mai vom Bundestag verabschiedet werden soll, bleibt aus Sicht der Wohnungswirtschaft weit hinter den Erwartungen zurück.

"Das Baulandmobilisierungsgesetz beschränkt sich vor allem auf eine Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten der Gemeinden im Bauplanungsrecht. Das reicht bei weitem nicht aus", so GdW-Präsident Axel Gedaschko. Das behindere die Schaffung von neuem bezahlbarem Wohnraum weiter. Zehn konkrete Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und Kommunen für eine "Wohnraumoffensive 2.0" hatte das Bündnis im Januar vorgelegt, die wurden auf dem Wohnungsbau-Tag 2021 noch einmal thematisiert.

Das "Speckgürtel-Phänomen" – Wohnkonzepte für das Umland wachsender Städte

Für Bauplanungen und Baugenehmigungen seien außerdem mehr Fachkräfte erforderlich, lautete eine weitere Forderung auf dem Branchen-Gipfel. Eine kreative Lösung wäre es demnach unter anderem, Personal-Pools zu schaffen, die gerade auch für das notwendige Bauen im Umland der Ballungsräume flexibel eingesetzt werden könnten. Seit Jahren steigt der Druck auf die städtischen Wohnungsmärkte vor allem durch Zuzug in die Städte.

Neben dem Neubau und der Verdichtung in den Kernstädten kann der Wohnungsbau im Umland zur Entspannung der Situation beitragen. Zu dem Thema hat das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) im Auftrag des Verbändebündnisses Wohnungsbau die neue Studie "Neue Wohnkonzepte fürs Umland von Großstädten" erstellt – darin sind Chancen zur Entlastung angespannter urbaner Wohnungsmärkte aufgezeigt und positive Fallbeispiele aus der Praxis skizziert.

"Der Entlastungswohnungsbau im Umland unterscheidet sich insoweit von der klassischen Suburbanisierung, als dass es nicht um den Neubau weiterer Ein- und Zweifamilienhäuser geht", heißt es in der Studie. Monofunktionale "Schlafsiedlungen" seien nicht die Lösung, vielmehr müssten angemessene Dichten und vielfältige Wohnangebote für unterschiedliche Zielgruppen geschaffen und in qualifizierte Freiräume eingebettet werden, so ein Fazit. Der Neubau im Umland muss dem Difu zufolge in Beziehung zum Stadtzentrum stehen und lokale Stadtqualitäten aufnehmen und weiterentwickeln.

Difu-Studie "Das Umland der Städte", Chancen zur Entlastung überforderter Wohnungsmärkte Plausibilitäten – Determinanten – Restriktionen


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Wohnungspolitik, Bundestagswahl