Klimaschutz: Wohnungswirtschaft will mehr staatliche Hilfe

Wohnen soll klimaneutral werden und bezahlbar bleiben. Das kann nur gelingen, wenn der Staat den privaten Vermietern mit zusätzlichen Förderungen unter die Arme greift. Dieses Konzept "Klima Plus" hat der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW auf seinem virtuellen Wohnzukunftstag vorgestellt.

Das Wohnen soll nach dem Wunsch der Bundesregierung bis 2045 klimaneutral werden, aber gleichzeitig müssen die Mieten günstig bleiben. Ohne staatliche Hilfe kann das nach Auffassung der privaten Vermieter nicht gehen. "Es muss gefördert werden, was gefordert wird", sagte Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW. Auf seinem virtuellen Wohnzukunftstag am 16.6.2021 hat der Spitzenverband ein eigenes Konzept namens "Klima Plus" vorgestellt, damit die erhöhten Klimaziele beim Wohnen annähernd warmmietenneutral umgesetzt werden können, hieß es in einer Mitteilung.

Diese Klima-Plus-Förderung wünscht sich die Wohnungswirtschaft zusätzlich zur bestehenden Bundesförderung. "Nur so kann bezahlbares Wohnen dauerhaft für breite Schichten der Bevölkerung gesichert werden", so Gedaschko. Die Strategie der Wohnungswirtschaft umfasst drei Schritte.

Sozial adäquater Klimaschutz beim Wohnen in 3 Schritten

Im ersten Schritt sieht die Klima-Plus-Strategie eine "Begrenzung der Belastung von Mieterhaushalten auf eine sogenannte annähernde Warmmietenneutralität" vor. Das heißt konkret: Mieter, die während der Sanierungsmaßnahmen in einem Gebäude wohnen, sollen später beim Heizen maximal 50 Cent mehr Miete pro Quadratmeter zahlen müssen. Nach Wiedervermietung sollen Bewerber mit Anspruch auf einen "erweiterten Wohnberechtigungsschein-Plus" den ersten Zugriff erhalten, danach auch jeder Bewerber. Die maximale Miete soll sich an der ortsüblichen Vergleichsmiete orientieren.

Im zweiten Schritt sollen sich Vermieter neben der Weitergabe der Verbilligung dazu verpflichten, für einen vorgegebenen Zeitraum die Bestandsmieten nur noch maximal im Umfang eines definierten Indexes anzuheben. So könnten laut GdW nach fünf Jahren und einer jährlichen Sanierungsrate von 2,5 Prozent des in Frage kommenden Wohnungsbestandes von rund 15 Millionen Mietwohnungen im Klima-Plus-Verfahren bis zu 1,8 Millionen ältere Mietwohnungen bis 2045 klimaneutral und langfristig preisgebunden sein.

Im dritten Schritt müsse dafür gesorgt werden, dass nur so viel Geld für die Umsetzung der Klimaziele ausgegeben wird, wie wirklich notwendig ist. "Wir brauchen dringend ein Umparken im Kopf bei der Frage, wie das Wohnen klimaneutral werden kann", so Gedaschko. Dafür sei dringend ein CO2-Einsparungskorridor als Ziel- und Steuerungsgröße notwendig. Um Innovationen zu ermöglichen, müsse mit Blick auf komplette Quartiere gehandelt werden können. Wohnungsunternehmen sollten Energieerzeugung und -verbrauch vernetzt und sektorübergreifend organisieren können. Dafür sei Technologieoffenheit ebenso wichtig wie einfache Regeln: Etwa die Experimentierklausel des Gebäudeenergiegesetzes müsse drastisch erweitert und das Energierecht "befreiend" auf den Klimaschutz beim Wohnen ausgerichtet werden.

Das Klima-Plus-Modell ist dem GdW zufolge auch auf den Wohnungsneubau und selbstgenutztes Eigentum übertragbar. "Wir brauchen mehr positive Nachrichten für den Klimaschutz in Deutschland. Dafür sind konstruktive Konzepte der dezentralen Energieerzeugung notwendig statt politischer Regulierungsvorhaben, die sich rein um Miethöhen drehen", sagte Gedaschko. Er nannte als positives Beispiel, dass mit dem Eintrag der Gewerbesteuernovelle ins Bundesgesetzblatt vergangene Woche die Steine für einen attraktiven Mieterstrom aus dem Weg geräumt worden seien, da die Anlagen keine steuerlichen Nachteile mehr bescheren.

Wohnzukunftstag 2021: Von Politiktalk bis Innovationswerkstatt

Aufgrund der aktuellen Corona-Lage fand der Wohnzukunftstag 2021 am 16. Juni wie 2020 auch in diesem Jahr als virtueller Kongress statt. Infotainment, Präsentationen, Kontakte und Austausch, auch Workshops – alles war 100 Prozent digital. Im Livestream diskutierten Experten der Immobilienbranche zu vielfältigen Themen, die die Branche bewegen.

GdW-Präsident Gedaschko und Moderatorin Antonia Scheurlen starteten den Tag um 9.30 Uhr mit einer Einführung in das Programm. Im ersten gestreamten Politiktalk im Anschluss unterhielt sich Gedaschko mit den Bundestagsabgeordneten Daniel Föst (FDP) und Bernhard Daldrup (SPD) darüber, wie realistisch die politischen Forderungen an die Wohnungswirtschaft in Deutschland sind – utopisch, umsetzbar, bezahlbar? Beim abschließenden halbstündigen Talk um 15.30 Uhr drehte sich alles um Zukunftsthemen: Wie sieht künftig das Wohnen aus? Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung und wie umfangreich wird dabei die Transformation der Wohnungswirtschaft ausfallen? Es unterhielten sich die Experten Dr. Manfred Alflen (Vorstand der Aareon AG) und GdW-Hauptgeschäftsführerin Ingeborg Esser.

Wissenschaftliche Vorträge, wie der von Prof. Dr. Ilse Helbrecht (Kultur-und Sozialgeographie, Humboldt-Universität zu Berlin) zum Thema "Die Post-Corona-Stadt – Konturen einer resilienten Stadt" oder das Panel "Ökologisch und bezahlbar Bauen" rundeten das Programm ab. Dazu gab es verschiedene Workshops und die Innovationswerkstatt des GdW.

Die Haufe Group, mit dem Fachmagazin "DW Die Wohnungswirtschaft", begleitete die virtuelle Veranstaltung als Medienpartner.

Das war der GdW-Wohnzukunftstag 2021: Programm und Informationen zu Speakern und Events


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Klimaschutz