Ausbildungsprämie: Bundesprogramm unterstützt Unternehmen

Das Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern" schützt Ausbildungsbetriebe und Azubis in der Coronakrise. Mit dem zweiten Maßnahmenpaket des Bundeskabinetts wurden Ausbildungs- und Übernahmeprämien verdoppelt und Zuschüsse zur Vermeidung von Kurzarbeit verbessert. 

Das Bundeskabinett hat am 17. März 2021 beschlossen, das Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern" zu verlängern und zu verbessern. Damit wird die betriebliche Ausbildung in der Coronakrise gesichert. Die angepasste Erste Förderrichtlinie wurde am 26. März 2021 veröffentlicht, eine neugefasste Zweite Förderrichtlinie wurde am 30. April 2021 veröffentlicht.

Bereits seit Juni beziehungsweise November 2020 können kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) über das Programm Zuschüsse erhalten. Weil viele Betriebe dennoch angesichts der wirtschaftlichen Lage zögern, Ausbildungsplätze anzubieten, sollte ein neuer Corona-Schutzschirm helfen, das Ausbildungsniveau zu erhalten.  

Höhere Ausbildungsprämien für mehr Unternehmen

Folgende Änderungen gelten:

  • Die Ausbildungsprämien für von der Coronakrise betroffene Betriebe, die durch Neueinstellungen ihr Ausbildungsniveau halten oder erhöhen, ist rückwirkend zum 16. Februar 2021 - zunächst in bisheriger Höhe - verlängert worden.
  • Für das neue Ausbildungsjahr werden die Prämien zum 1. Juni 2021 von 2.000 und 3.000 Euro auf 4.000 und 6.000 Euro verdoppelt. 
  • Attraktivere Zuschüsse zur Vermeidung von Kurzarbeit während einer Ausbildung: Künftig werden auch Zuschüsse zur Vergütung des Ausbilders gezahlt werden. Wie bisher wird zudem die Ausbildungsvergütung weiter bezuschusst.
  • Auch für größere Unternehmen: All diese Leistungen können künftig Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitenden beziehen. Bisher liegt die Grenze bei 249 Mitarbeitenden.
  • Neuer Sonderzuschuss für Kleinstunternehmen: Kleinstunternehmen, die im zweiten Lockdown ihre normale Geschäftstätigkeit weitgehend einstellen mussten, können einen Sonderzuschuss erhalten: Betriebe mit bis zu vier Mitarbeitern können pauschal 1.000 Euro bekommen, wenn sie ihre Ausbildungstätigkeit für mindestens 30 Tage fortgesetzt haben.
  • Die Übernahmeprämie wird bis Ende 2021 verlängert und auf 6.000 Euro verdoppelt. Mit ihr wird künftig neben der Übernahme eines Auszubildenden aus einem Insolvenzfall auch bei pandemiebedingter Kündigung oder bei Abschluss eines Auflösungsvertrages unterstützt.
  • Die Förderung einer Auftrags- oder Verbundausbildung wird attraktiver. Die Mindestlaufzeit wird auf vier Wochen verkürzt, die Höhe der Förderung wird sich nach der Laufzeit bemessen. Insgesamt können bis zu 8.100 Euro gezahlt werden. Auch der Stammausbildungsbetrieb kann statt des Interimsausbildungsbetriebs die Förderung erhalten. Für Interimsausbildungsbetriebe entfällt die Begrenzung auf bis zu 249 Mitarbeitende ersatzlos.
  • Für pandemiebetroffene Unternehmen können die Kosten für externe Abschlussprüfungsvorbereitungskurse für Auszubildende hälftig bezuschusst werden, maximal mit 500 Euro.

Ausbildung trotz Corona: Zuschüsse für KMU

Das Bundesprogramm bietet damit eine verbesserte Förderung für kleine und mittleren Unternehmen (KMU). Betriebe mit nunmehr 499 Mitarbeitern, die eine Berufsausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen durchführen, können über das Bundesprogramm Zuschüsse erhalten. Es bietet Ausbildungsbetrieben Unterstützung in Form von Ausbildungsprämien, Ausbildungsprämien plus oder Zuschüsse für Ausbildungsvergütungen oder Übernahmeprämien. Hinzugekommen ist ein "Lockdown-II-Sonderzuschuss" für ausbildende Kleinstunternehmen. Die entsprechenden Antragsunterlagen stehen auf der Internetseite der Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung. Betriebe können die Förderung auch rückwirkend zu den verbesserten Konditionen beantragen. 

Förderung temporärer Auftrags- und Verbundausbildung

KMU, die vorübergehend Auszubildende übernehmen, die ihre Ausbildung pandemiebedingt nicht im eigenen Betrieb beginnen oder fortsetzen können, werden verstärkt gefördert. Für die Übernahme einer sogenannten Auftrags- oder Verbundausbildung können die Betriebe nun für jeden Auszubildenden 450 Euro pro Woche, maximal 8.100 Euro als Förderung erhalten. Auch die die Förderung von Prüfungsvorbereitungen ist nun möglich. Auch überbetriebliche Berufsbildungsstätten oder andere etablierte Ausbildungsdienstleister können diese Förderung beantragen. Die Maßnahmen sind zunächst befristet bis zum 31. Dezember 2021.

Die Förderung von Auftrags- und Verbundausbildungen kann bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (KBS) beantragt werden. 

Aufrechterhaltung und Schaffung von Ausbildungsplätzen wird prämiert

Bereits seit Beginn des Ausbildungsjahres 2020/2021 können KMU, die ihr Ausbildungsplatzangebot 2020 im Vergleich zu den drei Vorjahren nicht verringern, für jeden neu geschlossenen Ausbildungsvertrag eine einmalige Ausbildungsprämie in Höhe von 2.000 Euro erhalten. Für das kommende Ausbildungsjahr steigt die Prämie auf 4.000 Euro. Unternehmen, die ihr Angebot an Ausbildungsplätzen sogar erhöhen, erhalten für jeden zusätzlichen Ausbildungsvertrag eine "Ausbildungsprämie plus" in Höhe von 3.000 Euro. Für das kommende Jahr steigt diese Prämie auf 6.000 Euro.

Der Ausbildungsbetrieb muss von der Coronakrise erheblich betroffen sein. Die Ausbildungsprämie wird nur ausgezahlt, wenn das Ausbildungsverhältnis über die Probezeit hinaus fortbesteht. Die Förderungen gelten für die Ausbildungsjahre 2020/2021 und 2021/2022.

Förderung von Ausbildungsvergütung zur Vermeidung von Kurzarbeit

KMU, die ihre Ausbildungsaktivität trotz der Corona-Belastungen fortsetzen und Ausbilder sowie Auszubildende nicht in Kurzarbeit bringen, können eine Förderung von 75 Prozent der Brutto-Ausbildungsvergütung erhalten. Sie greift für jeden Monat, in dem der Betrieb einen Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent hat. Zusätzlich wird nun auch die Ausbildervergütung bezuschusst. Diese Unterstützung gilt zunächst bis zum Dezember 2021.

Übernahmeprämien für Aufnahme von Auszubildenden

Betriebe, die zusätzlich Auszubildende übernehmen, die wegen Insolvenz ihres Ausbildungsbetriebs ihre Ausbildung nicht fortsetzen können, erhalten eine Prämie von nunmehr 6.000 Euro pro Auszubildenden. Diese Unterstützung ist befristet bis zum 31. Dezember 2021.

Lockdown-II-Sonderzuschuss für Kleinstunternehmen

Kleinstunternehmen, die ausbilden, können für jeden Azubi einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 1.000 Euro erhalten, wenn das Unternehmen pandemiebedingt seit November 2020 seine Geschäftstätigkeit völlig oder weitgehend einstellen musste. Die Maßnahme gilt bis zum 31. Juli 2021.

Trotz Ausbildungsprämie starker Rückgang bei den Ausbildungsplätzen

Die andauernde Coronakrise hat dem deutschen Ausbildungsmarkt schwer zugesetzt. Sowohl die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber als auch das Angebot an Lehrstellen sind bis April 2021 gegenüber dem Vorjahr erheblich zurückgegangen. Das zeigen die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Die Bewerberzahl im Ausbildungsjahr 2020/21 brach nach Angaben der Behörde gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent ein.

Bundesweit gab es demnach insgesamt rund 345.000 Interessenten für einen Ausbildungsplatz. Beim Lehrstellenangebot verzeichnete die Bundesagentur für denselben Zeitraum ein Minus von fünf Prozent. Demnach gab es zuletzt noch rund 429.800 gemeldete Ausbildungsplätze. Allein im April 2021 waren laut Bundesagentur noch 250.000 betriebliche Ausbildungsstellen unbesetzt. Gleichzeitig hatten 190.000 Bewerberinnen und Bewerber noch keine Ausbildungsstelle oder eine Alternative gefunden. Nach einer Umfrage der staatlichen Förderbank KfW hat jeder vierte Mittelständler (26 Prozent) im vergangenen Jahr weniger Lehrlinge eingestellt als geplant. Nur drei Prozent haben ihre Ausbildungsangebote ausgeweitet. Insgesamt bilden geschätzt 500.000 Unternehmen in Deutschland aus – mehr als 90 Prozent sind Mittelständler mit einem Umsatz von bis zu 500 Millionen Euro.

Die staatliche Ausbildungsprämie wird auch nicht im erhofften Maße in Anspruch genommen. Seit August 2020 wurden laut Bundesagentur 38.400 Anträge auf Ausbildungsprämien positiv entschieden. Damit wurde bisher nur ein Bruchteil der dafür zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel abgerufen. Die Bundesregierung hat bis 2022 rund 700 Millionen Euro für die Ausbildungsförderung bereitgestellt.


Das könnte Sie auch interessieren:

Wie Corona die Berufsausbildung beeinflusst

Aufstiegs-BAföG: Bundestag beschließt Reform

Berufsbildungsgesetz: Neuer Mindestlohn für Azubis

Schlagworte zum Thema:  Ausbildung, Coronavirus