Arbeitsschutz in der Corona... / 3.3.6 Auftreten von Infektionsfällen im Betrieb
 
Wichtig

Verdacht einer SARS-CoV-2-Infektion im Betrieb

Im akuten Verdachtsfall muss sich ein erkrankter Beschäftigter so verhalten, wie es die örtliche Gesundheitsbehörde vorsieht, d. h. in der Regel sich in häusliche Isolation zu begeben, einen Arzt zu kontaktieren, der den Verdacht verifiziert und ggf. weitere Schritte einleitet. Da die Infektionsschutzmaßnahmen im Betrieb dazu angetan sind, eine schnelle Weiterverbreitung zu vermeiden, zieht ein solcher Verdachtsfall meist keinen unmittelbaren Handlungsbedarf im Betrieb nach sich. Den Anordnungen des örtlichen Gesundheitsamts, die ggf. im Anschluss übermittelt werden, ist Folge zu leisten.

Berichtet ein Beschäftigter am Arbeitsplatz davon, dass bei einem Haushaltsangehörigen eine SARS-CoV-2-Infektion bestätigt wurde, macht es Sinn, diese Person unverzüglich nach Hause zu schicken, weil mit hoher Sicherheit davon auszugehen ist, dass eine Quarantäne durch das Gesundheitsamt ausgesprochen wird.

In Phasen hoher Infektionszahlen erweist es sich, das Gesundheitsämter nicht immer in der Lage sind, zeitnah zu reagieren. Allerdings gibt es i. d. R. auf Länder- oder kommunaler Ebene mittlerweile Allgemeinverfügungen, die vorschreiben, wie sich betroffene Personen zu verhalten haben, schon bevor amtliche Quarantäneverfügungen in Einzelfällen ausgesprochen werden. Es ist sinnvoll, dass sich betrieblich Verantwortliche mit den örtlichen Regelungen immer wieder aktuell vertraut machen.

 
Achtung

Schnelltests nach Infektionsfällen

Besonders nach vorgekommenen Infektionsfällen im Betrieb oder in seinem Umfeld wird oft der Ruf nach Schnelltests, i. d. R. sog. PoC-Antigentests, laut. Hier ist Vorsicht, Einsicht und Zurückhaltung geboten:

Antigenschnelltests sind zwar dafür geeignet, eine Aussage für den unmittelbaren Zeitpunkt der Testung zu treffen, also z. B. die Frage zu beantworten, ob ein Passagier im Moment des Flugantritts oder ein Besucher zum Zeitpunkt des Altenheimbesuchs infektionsfrei ist oder nicht. Auch bei negativem Testergebnis kann sich wenige Stunden später eine Infektion etablieren.

Antigentestungen sind also nur zur Bestimmung eines Infektionsstatus in einer bestimmten Situation angebracht, nicht aber, um Personen nach vermuteter Exposition auf diese Weise "freimessen" zu wollen. Eine solche Testung müsste für 14 Tage nach Exposition täglich wiederholt werden. In keinem Fall ist ein vorliegender negativer Test ein Grund, drohende oder angeordnete Quarantänemaßnahmen umgehen zu können oder andere Schutzvorkehrungen außer Kraft zu setzen.

Wenn eine SARS-CoV-2-Infektion im betrieblichen Umfeld erfolgt, besteht u. U. Versicherungsschutz. Für Beschäftigte, die "im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt" waren, kann eine Anerkennung als BK-Nr. 3101 der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) "Infektionskrankheiten" erfolgen. Die BK-Meldung erfolgt dann über den behandelnden Arzt und über das betroffene Unternehmen.[1]

Für alle anderen Beschäftigten kommt dann, wenn eine Infektion nachweislich als Folge einer versicherten Tätigkeit erfolgt ist, eine Meldung als Arbeitsunfall infrage. Ob und unter welchen Bedingungen eine solche anerkannt wird, ist eine Einzelfallfrage. Relevant wird das zwar nur dann, wenn bei der Erkrankung Folgeprobleme auftreten und besondere Heilbehandlungen nötig werden. Das ist glücklicherweise sehr selten, aber nicht ausgeschlossen. Daher sollten Infektionen, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit im beruflichen Umfeld übertragen wurden, sorgfältig dokumentiert und eine Meldung als Arbeitsunfall vorgenommen werden, um die Interessen des Betroffenen zu wahren.

Betriebsärzte sind gehalten, ihnen bekannt gewordene SARS-CoV-2-Infektionen dahingehend auszuwerten, ob mit bestimmten Tätigkeitsbereichen eine erhöhte Infektionsgefährdung verbunden ist, die spezifische Maßnahmen erforderlich macht (Abschn. 5.3 C-ASR).

Nach Abschn. 5.5 C-ASR ist der Arbeitgeber gehalten, für Beschäftigte, die nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung an den Arbeitsplatz zurückkehren, zu prüfen, ob ggf. physische oder psychische Folgen vorliegen, die besondere Maßnahmen erforderlich machen.

[1] Formblätter sind auf der Internetseite der BGW abzurufen.

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