Beschränkt steuerpflichtige... / 11 Einkommensteuer-Pflichtveranlagung bei eingetragenem Freibetrag

Die Eintragung eines Freibetrags auf der Bescheinigung führt bei beschränkt Steuerpflichtigen zur Pflichtveranlagung durch das Betriebsstättenfinanzamt des Arbeitgebers, wenn der im Kalenderjahr erzielte Arbeitslohn des Arbeitnehmers im Jahr 2021 die Bagatellgrenze von 12.250 EUR (2020: 11.900 EUR) übersteigt.[1]

Auch bei einer zeitlich begrenzten Tätigkeit im Kalenderjahr kommt es in diesen Fällen zum Ansatz der Jahreslohnsteuertabelle. Diese Regelung ist deshalb insbesondere bei ausländischen Saisonarbeitskräften von Bedeutung, auf deren Lohnsteuerabzugsbescheinigung ein Freibetrag eingetragen ist, z. B. wegen Aufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung und/oder Reisekosten. Zuständig für die Durchführung der Einkommensteuerveranlagung ist das Betriebsstättenfinanzamt des Arbeitgebers.

 
Praxis-Beispiel

Saisonarbeiter

Ein Saisonarbeiter aus Spanien arbeitet vom 1.6. bis 30.9. im Weinberg in der Pfalz. Er hält sich nur 4 Monate in Deutschland auf und ist somit beschränkt steuerpflichtig. Seine Frau lebt in der Familienwohnung in Madrid. Eine Bescheinigung seines spanischen Finanzamts über die Höhe seiner Einkünfte in Spanien legt er nicht vor. Daher wird er als beschränkt Steuerpflichtiger behandelt und wird nach der Steuerklasse I besteuert.

Ergebnis: Kirchensteuer fällt bei beschränkt steuerpflichtigen Arbeitnehmern nicht an. Vom Monatslohn abgezogene Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag können erstattet werden, wenn der für das Kalenderjahr maßgebliche Grundfreibetrag nicht überschritten wurde.

 
2.000 EUR × 4 8.000 EUR
Abzgl. Arbeitnehmerpauschbetrag - 1.000 EUR
Abzgl. Vorsorgeaufwendungen (angenommen) - 200 EUR
Abzgl. Sonderausgaben-Pauschbetrag - 36 EUR
Zu versteuerndes Einkommen 6.764 EUR
Einkommensteuer lt. Grundtabelle 0 EUR

Hat der Arbeitnehmer keine weiteren ausländischen Einkünfte, werden die einbehaltene Lohnsteuer und der Solidaritätszuschlag in vollem Umfang erstattet. Hat der Arbeitnehmer ausländische Einkünfte, werden diese im Rahmen des Progressionsvorbehalts bei der Veranlagung berücksichtigt.

Die Pflichtveranlagungstatbestände für beschränkt steuerpflichtige Arbeitnehmer wurden ausgeweitet.[2] Ab dem Veranlagungszeitraum 2020 ist für beschränkt steuerpflichtige Arbeitnehmer auch dann eine Pflichtveranlagung durchzuführen, wenn

  • der beschränkt steuerpflichtige Arbeitnehmer nebeneinander von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn bezogen hat[3],
  • die Lohnsteuer für einen sonstigen Bezug i. S. d. § 34 Abs. 1 und 2 Nr. 2 und 4 EStG nach § 39b Abs. 3 Satz 9 EStG oder für einen sonstigen Bezug nach § 39c Abs. 3 EStG ermittelt wurde[4] oder
  • der Arbeitgeber die Lohnsteuer von einem sonstigen Bezug berechnet hat und der Arbeitslohn aus früheren Dienstverhältnissen des Kalenderjahres außer Betracht geblieben ist[5].

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge