Bewertung lohn- und einkomm... / 3.10 Kein Entlastungsbetrag im Jahr der Eheschließung

Eine Besonderheit besteht, wenn die Voraussetzungen der Steuerklasse II während des Jahres infolge der Heirat des Alleinerziehenden wegfallen. Arbeitnehmer, die heiraten und dadurch für das gesamte Kalenderjahr in den Genuss des für die Ehegattenbesteuerung günstigeren Splittingtarifs gelangen, verlieren damit auch für dieses Jahr insgesamt ihren Anspruch auf den Entlastungsbetrag, also auch für die Monate bis zur Heirat. Allerdings erfolgt im Lohnsteuerabzugsverfahren der Wechsel von der Steuerklasse II zu III, IV oder V aus Gründen der Verfahrensvereinfachung erst ab dem Monat der Heirat. Dem Arbeitgeber bleibt damit eine Rückrechnung der Lohnsteuerbeträge für die bereits abgelaufenen Monate erspart.

 
Praxis-Beispiel

Wegfall des Entlastungsbetrags bei Heirat

Der Lohnsteuerabzug für eine alleinerziehende Arbeitnehmerin erfolgt nach der Steuerklasse II, da sie bis zu ihrer Heirat am 19.5. ausschließlich mit ihrem minderjährigen Sohn einen gemeinsamen Haushalt geführt hat. Durch die Heirat ändert sich die Lohnsteuerklasse. Die Meldeämter übermitteln den Zeitpunkt der Eheschließung an die ELStAM-Datenbank.

Ergebnis: Durch die Weiterleitung der melderechtlichen Daten "Eheschließung" wird beim Bundeszentralamt für Steuern im ELStAM-Datenpool automatisch die Steuerklassenkombination IV/IV den beiden Ehegatten zugeordnet, auch wenn nur ein Ehegatte Arbeitslohn erzielt. Die Steuerklassenkombination IV/IV ist vom Arbeitgeber erst ab Meldung durch das Bundeszentralamt für Steuern als elektronisches Lohnsteuerabzugsmerkmal zu berücksichtigen; in diesem Fall ab Juni. Bis 31.5. bleibt es bei der Steuerklasse II; der Arbeitnehmerin steht der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende nur für die ersten 5 Monate zu.

Wollen die Ehepartner eine andere Steuerklassenkombination wählen, müssen sie dies beim Finanzamt beantragen. Diese Änderung wird ab dem ersten des auf die Antragstellung folgenden Monats wirksam und dem Arbeitgeber durch das Bundeszentralamt für Steuern mitgeteilt. Wird die Steuerklassenkombination III/V gewählt und beziehen beide Ehegatten Arbeitslohn, sind die Ehegatten gesetzlich verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Bezieht nur ein Ehegatte Arbeitslohn, der nach der Steuerklasse III besteuert wird, besteht die Möglichkeit einer Antragsveranlagung.

Eine freiwillige, insbesondere vorteilhafte Änderung der ELStAM, z. B. ein Wechsel von der Steuerklasse I zu II, ist ebenfalls zulässig.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge