Dienstwagen / 9 Umsatzbesteuerung des geldwerten Vorteils

Die umsatzsteuerliche Behandlung der Dienstwagenüberlassung bestimmt sich danach, ob es sich um eine entgeltliche oder eine unentgeltliche Leistung handelt.[1] Wird die private Nutzung arbeitsvertraglich festgelegt, ist umsatzsteuerlich von einer entgeltlichen Dienstwagenüberlassung auszugehen. Die private Nutzung stellt eine umsatzsteuerpflichtige sonstige Leistung dar.[2] Die Gegenleistung des Arbeitnehmers liegt in der anteiligen Arbeitsleistung begründet.

Vereinfachungsregelung für die Umsatzsteuerbesteuerung

Die Umsatzsteuer berechnet sich bei diesen Umsätzen nach dem Wert der nicht durch den Barlohn abgegoltenen Arbeitsleistung. Um diese gesetzlich erforderliche, aber aufwendige Ermittlung der umsatzsteuerlichen Bemessungsgrundlage zu vermeiden, gilt eine Vereinfachungsregelung. Es wird nicht beanstandet, wenn auch für die Umsatzsteuer die lohnsteuerlichen Berechnungsmethoden zugrunde gelegt werden.[3] Bemessungsgrundlage ist der für Zwecke der Lohnsteuer ermittelte geldwerte Vorteil – abzüglich der Umsatzsteuer, da diese in den lohnsteuerlichen Bruttowerten bereits enthalten ist.[4] Allerdings darf anders als bei der Lohnsteuer eine Kürzung der umsatzsteuerlichen Bemessungsgrundlage um etwaige Zuzahlungen (Nutzungsentgelte oder Zuschüsse zum Kaufpreis) des Arbeitnehmers nicht vorgenommen werden.

 
Hinweis

Keine Kürzung des Bruttolistenpreises bei (Hybrid-)Elektro-Dienstwagen für Umsatzsteuerzwecke

Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer sind aus Vereinfachungsgründen die lohnsteuerlichen Werte, bei Anwendung der 1-%-Methode der lohnsteuerpflichtige geldwerte Vorteil, der sich aufgrund des jeweils maßgebenden Bruttolistenpreises unter Berücksichtigung des 0,03-%-Zuschlags für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ergibt.[5] Da es sich hierbei um einen Bruttowert handelt, ist die Umsatzsteuer mit 19/119[6] herauszurechnen. Die pauschalen Abschläge nach Kilowattstunden (kWh) sowie die prozentualen Kürzungen um 50 % bzw. 25 %, die bei der Lohnsteuer vom Bruttolistenpreis von (Hybrid-)Elektrofahrzeugen für die Firmenwagenbesteuerung in den Jahren 2013–2030 vorzunehmen sind, finden bei der Umsatzsteuer keine Anwendung. Für die Berechnung der Umsatzsteuer darf der Bruttolistenpreis nicht gemindert werden.

Die Umsatzsteuer berechnet sich mit 1 % des ungekürzten Bruttolistenpreises zuzüglich der 0,03-%-Pauschale für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte durch Anwendung des Umrechnungsfaktors 19/119[7].

Eine Angleichung der umsatzsteuerlichen Bemessungsgrundlage an die lohnsteuerlichen Werte für E-Dienstwagen lehnt die Finanzverwaltung ab.

Absenkung des Umsatzsteuersatzes für den Zeitraum 1.7.–31.12.2020

Zur Abmilderung der durch die Corona-Pandemie eingetretenen finanziellen Nachteile sowie zur Wiederbelebung der inländischen Wirtschaft wurde der Umsatzsteuer-Regelsatz vorübergehend vom 1.7.–31.12.2020 von 19 % auf 16 % und der ermäßigte Umsatzsteuer-Satz von 7 % auf 5 % abgesenkt. Daraus ergaben sich vorteilhafte Auswirkungen auf den Bruttolistenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung als Bemessungsgrundlage bei der 1-%-Methode, der für Erstzulassungen von Juli bis Dezember 2020 um 3 % geringer ausfiel. Durch den geringeren Bruttolistenpreis ergibt sich ein niedrigerer geldwerter Vorteil für die Privatfahrten und Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit dem Dienstwagen. Dies gilt für die gesamte Nutzungszeit des Dienstwagens, also auch bei einem späteren Käuferwechsel.

Eine weite steuerpositive Auswirkung ergibt sich durch den abgesenkten Steuersatz unmittelbar für die Höhe der Umsatzsteuer, die sich aus dem lohnsteuerlichen geldwerten Vorteil als Bruttobetrag errechnet.

 
Praxis-Beispiel

Neuanschaffung des Firmenwagens im Zeitraum 1.7.–31.12.2020

Ein leitender Angestellter erhielt von seiner Firma zum 1.10.2020 einen neu angeschafften Firmenwagen, den er auch privat und zu Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (10 Entfernungskilometer) nutzen darf. Der Bruttolistenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung 1.10.2020 hat 53.090 EUR betragen, der Umsatzsteuer-Satz betrug zu diesem Zeitpunkt noch 16 %. Welcher geldwerte Vorteil ist 2021 zu versteuern und wie wird die Umsatzsteuer bewertet?

Ergebnis: Die im Bruttolistenpreis enthaltene Umsatzsteuer von 16 % bleibt für die Gesamtdauer der Dienstwagennutzung erhalten, sodass die Bemessungsgrundlage für die 1-%-Methode ab 1.1.2021 unverändert bleibt, auch wenn der Umsatzsteuer-Satz wieder 19 % beträgt.

 
Berechnung des geldwerten Vorteils seit 1.10.2020:
Privatnutzung: 1 % von (abgerundet) 50.000 EUR 500 EUR
Zzgl. Zuschlag für Fahrten Wohnung – erste Tätigkeitsstätte: 0,03 % x 10 km x 50.000 EUR + 150 EUR
Monatlicher lohnsteuerpflichtiger geldwerter Vorteil 650 EUR

Die Berechnung des lohnsteuerpflichtigen Sachbezugs "Dienstwagen" bleibt ab 1.1.2021 unverändert und beträgt monatlich 650 EUR.

Bewertung der Umsatzsteuer:

Da es sich hierbei um einen Bruttowert handelt, berechnete sich die darin enthaltene Umsatzsteuer vom 1.10.–3...

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