Homeoffice / 3 Grenz- und rechtskreisüberschreitende Tätigkeit

Insbesondere bei grenzüberschreitenden Homeoffice- bzw. Telearbeitsplätzen vertreten die Spitzenorganisationen der Sozialversicherungsträger folgende Auffassung: Wenn ein Arbeitnehmer seinen Telearbeitsplatz im Ausland hat, das ihn beschäftigende Unternehmen aber im Inland ansässig ist, wird als Beschäftigungsort der Ort der ausländischen Arbeitsstätte (= Wohnort) angesehen. Dementsprechend unterliegt der Arbeitnehmer dem Sozialversicherungsrecht des Staates, in dem er seinen Heimarbeitsplatz hat. Entsprechendes gilt im umgekehrten Fall, wenn die Arbeitsstätte (Heimarbeitsplatz) in Deutschland liegt, das Unternehmen aber seinen Sitz im Ausland hat, sodass das deutsche Sozialversicherungsrecht anzuwenden ist.

 
Hinweis

Vorübergehende Änderung des Tätigkeitsorts bei grenzüberschreitenden Tätigkeiten wirkt sich nicht aus

Im Zuge der Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie hat die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA) beim GKV Spitzenverband[1] klargestellt, dass sich für Grenzgänger, die in Deutschland beschäftigt und in einem anderen Mitgliedsstaat der EU wohnhaft sind, keine Änderungen hinsichtlich des anwendbaren Sozialversicherungsrechts ergeben, wenn diese Personen vorübergehend – ganz oder teilweise – ihre Tätigkeit von zu Hause aus erbringen.

Sollte im Wohnstaat im Einzelfall ein Nachweis über die Anwendung der deutschen Rechtsvorschriften gefordert werden, kommt die Ausstellung einer Entsendebescheinigung ("A1-Bescheinigung")[2] in Betracht, wenn die Tätigkeit lediglich vorübergehend auch im Wohnmitgliedsstaat ausgeübt werden soll.

Dies gilt gleichermaßen auch für Personen, die in Deutschland wohnen und als Grenzgänger in einem anderen EG-Mitgliedsstaat tätig sind.

Tätigkeit in Rechtskreisen West und Ost

Die gleichen Grundsätze sind sinngemäß ebenfalls anzuwenden, wenn der Heimarbeitsplatz einerseits und der Sitz der Betriebsstätte des Unternehmens andererseits sowohl im Rechtskreis West als auch im Rechtskreis Ost liegen.

 
Praxis-Beispiel

Beschäftigungsort bei Betriebsübernahme

Herr A ist bei Firma C als Außendienstberater beschäftigt. Firma C, die ihren Firmensitz in Sachsen hat, wird ab Beginn des neuen Jahres von Firma D, die ihren Firmensitz in Bayern hat, übernommen. Herr A vereinbart mit Firma D, dass er seine Außendiensttätigkeit grundsätzlich von zu Hause aus wahrnimmt und lediglich an 2 Tagen pro Monat zur Berichterstattung die Firmenzentrale aufsuchen wird.

Durch die Betriebsübernahme erfolgt zwar ein Rechtskreiswechsel von Ost nach West. Für Herrn A bleibt es aufgrund seiner weit überwiegenden Beschäftigung im Rahmen einer Homeoffice-Tätigkeit jedoch beim Beschäftigungsort Ost (= Wohnort).

Der Kirchensteuerabzug erfolgt nach dem Betriebsstättenprinzip. In diesem Fall beträgt die Kirchensteuer 8 %. Bei der Veranlagung zur Einkommensteuer wird dann eine Kirchensteuer von 9 % erhoben.

[1] S. GR vom 17.3.2020: 2020/167 der DVKA.
[2] Unter Hinweis auf Art. 12 Abs. 1 VO (EG) 883/04.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge