Equal Pay Day: Aktuelle Zahlen zum Gender Pay Gap Infografik

Am 10. März ist Equal Pay Day, der internationale Aktionstag gegen ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern - sieben Tage früher als noch vor einem Jahr. Das bedeutet, dass die Entgeltlücke etwas kleiner geworden ist. Dabei könnten allerdings Sondereffekte infolge der Kurzarbeit in der Coronakrise eine Rolle gespielt haben. Wir haben die wichtigsten Fakten zum "Gender Pay Gap" zusammengefasst.

Der Gender Pay Gap ist die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdiensts der Männer und Frauen im Verhältnis zum Bruttostundenverdienst der Männer. Es stehen dabei zwei Indikatoren mit unterschiedlicher Intention zur Verfügung: Der unbereinigte Gender Pay Gap und der bereinigte Gender Pay Gap.

Unbereinigte vs. bereinigte Entgeltlücke

Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht allgemein den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer beziehungsweise Arbeitnehmerinnen miteinander. Mithilfe des unbereinigten Gender Pay Gap wird auch der Teil des Verdienstunterschieds erfasst, der durch schlechtere Zugangschancen von Frauen hinsichtlich bestimmter Berufe oder Karrierestufen verursacht wird, die möglicherweise ebenfalls das Ergebnis benachteiligender Strukturen sind. Der bereinigte Gender Pay Gap hingegen misst den Verdienstabstand von Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien.

Laut Statistischem Bundesamt sind 71 Prozent des Verdienstunterschieds zwischen Männern und Frauen strukturbedingt erklärbar – also unter anderem darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger in Branchen und Berufen arbeiten, in denen schlechter bezahlt wird und sie seltener Führungspositionen erreichen. Die verbleibenden 29 Prozent des Verdienstunterschieds entsprechen dem bereinigten Gender Pay Gap.

Zahlen des Statistischen Bundesamts zum Gender Pay Gap

Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamts haben Frauen im Jahr 2020 in Deutschland 18 Prozent weniger verdient als Männer. Der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern – der unbereinigte Gender Pay Gap – war damit um einen Prozentpunkt geringer als im Vorjahr. Demnach verdienten Frauen mit durchschnittlich 18,62 Euro brutto in der Stunde 4,16 Euro weniger als Männer (22,78 Euro). Bei diesem Ergebnis ist zu beachten, dass Sondereffekte infolge der Kurzarbeit in der Coronakrise die Veränderung des unbereinigten Gender Pay Gap beeinflusst haben können.

Nach wie vor fällt der unbereinigte Gender Pay Gap in Ostdeutschland viel geringer aus als in Westdeutschland. Im Westen ist der unbereinigte Gender Pay Gap im Jahr 2020 um einen Prozentpunkt auf 20 Prozent gesunken, während er im Osten mit sechs Prozent unverändert blieb. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, zeigt sich für Gesamtdeutschland ein sehr langsamer, aber stetiger Rückgang des unbereinigten Gender Pay Gap auf derzeit 18 Prozent (siehe oben). Dieser hatte 2014 mit 22 Prozent um vier Prozentpunkte höher gelegen als 2020.

Der bereinigte Gender Pay Gap liegt laut statistischem Bundesamt bei sechs Prozent, diese Angabe beruht  auf der Verdienststrukturerhebung (VSE) von 2018. Die VSE wird nur alle vier Jahre durchgeführt. Da die den Gender Pay Gap beeinflussenden Faktoren nur langfristigen Veränderungsprozessen unterliegen, dürften die Ursachen jedoch auch im Jahr 2020 weitgehend fortbestanden haben.

Sondereffekte durch Corona: Wie sich Kurzarbeit auf den Gender Pay Gap auswirkt

Im Vergleich zum Jahr 2019 sind die Bruttostundenverdienste der Frauen im Jahr 2020 mit +3,5 Prozent stärker gestiegen als die der Männer (+2,3 Prozent). Der stärkere Anstieg der Bruttostundenverdienste der Frauen führt zu einem geringeren Gender Pay Gap. Somit hat sich die Verdienstsituation von Frauen und Männern angenähert. Allerdings kann Kurzarbeit in der Coronakrise diese Entwicklung verstärkt haben. Wenn beispielsweise Männer in einer höher entlohnten Verdienstgruppe in Kurzarbeit gehen, würde der Gender Pay Gap (unter sonst gleichen Bedingungen) sinken, da der durchschnittliche Bruttostundenverdienst der Männer vergleichsweise geringer ausfällt.

Jahresgesamtvergütung: Bereinigte Entgeltlücke derzeit bei 5,1 Prozent

Auch die Gehaltsvergleichsplattform Gehalt.de verfolgt die Entwicklung des Gender Pay Gap in Deutschland, verwendet aber eine andere Datengrundlage für ihre Berechnung. Basis der aktuellen Studie "Equal Pay 2021" sind 143.975 Gehaltsdatensätze aus der eigenen Datenbank. Demnach beträgt die unbereinigte Entgeltlücke in Deutschland derzeit 22,2 Prozent (Vorjahr: 23,5)  und die bereinigte 5,1 Prozent (Vorjahr: 7,5). Die Zahlen weichen deshalb von denen des Statistischen Bundesamtes ab, weil Gehalt.de seinen Berechnungen die Jahresgesamtvergütung ("Total Cash") zugrunde legt, das heißt Gehälter inklusive Sonderzahlungen wie  Weihnachtsgeld, variable Vergütung et cetera sind enthalten. Das Statistische Bundesamt rechnet mit durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten.

Die Analysen von Gehalt.de geben Einblick in weitere Details zum Gender Pay Gap: Sie zeigen, wie hoch die Entgeltlücke in unterschiedlichen Branchen und Berufen ist und welchen Einfluss Alter, Region oder Unternehmensgröße auf die Lohnlücke haben.

Gehaltsdifferenz im Bundesländervergleich

Im Regionalvergleich liegt die niedrigste bereinigte Entgeltlücke in Mecklenburg-Vorpommern vor (0,59 Prozent). Auch in den anderen östlichen Bundesländern wie Berlin (2,2 Prozent) oder Brandenburg (2,66 Prozent) ist sie ebenfalls niedrig. Am höchsten ist der Wert in Baden-Württemberg mit 7,76 Prozent. "Mit steigendem Gehaltsniveau finden wir auch eine höhere Entgeltlücke vor. So sind die Gehaltsdifferenzen zwischen Frauen und Männern in den östlichen Bundesländern schwächer ausgeprägt, da hier auch generell niedrigere Einkommen als in anderen Regionen vorliegen", so Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de.

Gender Pay Gap nach Branchen

Beim Blick auf verschiedene Wirtschaftszweige fällt vor allem der Lebensmitteleinzelhandel ins Auge. In keiner anderen Branche ist der bereinigte Gender-Pay-Gap höher – obwohl beide Geschlechter in gleichem Maße überaus systemrelevante Arbeit leisten, verdienen männliche Beschäftigte über zwölf Prozent mehr als ihre Kolleginnen. Ein ähnliches Bild zeigt sich in anderen Sparten des Einzelhandels: Beim Einzelhandel für Bau und Einrichtung beziehungsweise für Bekleidung und Textil beträgt die bereinigte Einkommenslücke circa 10,4 beziehungsweise 9,8 Prozent.

Hoch ist die Diskrepanz zudem für Beschäftigte in der Versicherungsbranche (10,1 Prozent) und in der Rechtsberatung (8,9 Prozent).Ein fast vollkommenes Lohngleichgewicht gibt es hingegen im Bereich der Biotechnologie, die gegenwärtig auch die lukrativste Branche Deutschlands ist: Die bereinigte Einkommenslücke beträgt hier 0,8 Prozent zugunsten der Männer – in keiner Branche ist dieser Wert geringer. Kleine Gender-Pay-Gaps lassen sich weiterhin für Hotellerie und Gastronomie, die Tourismus- und Freizeitbranche (je 2,3 Prozent) sowie in der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung (1,8 Prozent) feststellen.

Gender Pay Gap nach Berufsgruppen

Kaum ein Berufszweig steht momentan mehr im öffentlichen Fokus als die Pflege. Zweifelsohne leisten Pflegefachkräfte beider Geschlechter gerade in der Pandemie unverzichtbare Arbeit und müssen aktuell aufgrund von Überstunden und strikten Hygienemaßnahmen zusätzlichen Stress erdulden. Obwohl Frauen in dieser Branche verhältnismäßig überrepräsentiert sind, verdienen sie trotz gleicher Leistung knapp 4,3 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen; bei Beschäftigten in Krankenhäusern steigt diese Zahl gar auf 8,3 Prozent. Dieses Problem ist in einigen medizinischen Berufen relevant, bei Fachärztinnen liegt die bereinigte Einkommenslücke zum Beispiel bei 9,3 Prozent.

Im Gegensatz zum Gesundheitssektor gilt die IT-Branche als klassische Männerdomäne. Das zeigt sich auch beim Blick auf den Lohnzettel, weibliche IT-Fachkräfte verdienen hier mit gleichen Voraussetzungen rund 6,2 Prozent weniger. Etwas geringer ist der Wert bei E-Commerce-Managerinnen (4,5 Prozent) und IT-Leiterinnen (4,2 Prozent). Erwähnenswert ist außerdem die hohe Entgeltlücke in der Automobilindustrie (7,9 Prozent) und im Bankwesen (7,6 Prozent) – zwei Wirtschaftszweige mit besonders hohem Verdienstpotenzial. Ein vergleichsweise geringer geschlechtsspezifischer Lohnunterschied ist indessen im Kulturbereich (2,4 Prozent) sowie bei Journalistinnen (3,0 Prozent) zu beobachten.

Einfluss von Alter und Unternehmensgröße auf den Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap variiert zudem nach Alter. “Die unbereinigte Entgeltlücke wächst mit dem Alter der Beschäftigten. Grund hierfür ist unter anderem eine mögliche Familiengründung von Arbeitnehmerinnen – häufig bremst die Pause durch Mutterschutz, Elternzeit und eine darauffolgende Teilzeitbeschäftigung die Gehaltsentwicklung”, so Bierbach. Zudem ist die bereinigte Lücke in kleinen Firmen generell ausgeprägter als in großen Unternehmen.

Gender Pay Gap im Europavergleich

Deutschland hat eine der größten Verdientslücken zwischen Frauen und Männern in Europa. Im Vergleich von 34 EU-Ländern liegt Deutschland nur auf Platz 31. Schlusslichter in dem aktuellen Vergleich von Eurostat, dem die Daten von 2019 zugrunde liegen, sind mit 21,8 Prozent allerdings Estland, gefolgt von Österreich mit 20,4 Prozent und Tschechien mit 20,1 Prozent. Spitzenreiter, das heißt die Länder mit den kleinsten Entgeltlücken, sind Luxemburg (1,4 Prozent), Rumänien (2,2 Prozent) und Italien (5,5 Prozent).

Laut einer aktuellen Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW ( siehe DIW Wochenbericht 9/2021) gibt es einen Zusammenhang von Lohnlücke und Frauenerwerbsquote eines Landes: So haben beispielsweise Rumänien und Italien neben niedrigen Lohnlücken auch vergleichsweise niedrige Frauenerwerbsquoten von 58 beziehungsweise 56 Prozent, während einige Länder mit hohen Erwerbsquoten deutlich höhere Gender Pay Gaps haben.

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Ein einfacher Vergleich der Gender Pay Gaps zwischen Ländern mit sehr unterschiedlichen Frauenerwerbsquoten könne aus diesem Grund irreführend sein, warnen die Forscherinnen und Forscher des DIW. Stattdessen müssten Länder mit ähnlich hohen Frauenerwerbsquoten und damit einer ähnlichen Selektion an erwerbstätigen Frauen miteinander verglichen werden. Betrachtet man nur die 14 Länder, deren Frauenerwerbsquote zwischen 70 und 80 Prozent liegt und damit vergleichbar zu der in Deutschland (74 Prozent) ist, landet Deutschland allerdings dennoch nur auf dem drittletzten Platz (wieder vor Österreich und Estland).

 Mehr zu den Ursachen für den Gender Pay Gap lesen Sie auf der folgenden Seite.


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Schlagworte zum Thema:  Vergütung, Gleichstellung, Equal Pay