Long Covid bei Mitarbeitern: Was Unternehmen tun können

Hunderttausende Menschen leiden an den Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung, die auch als "Long Covid" bezeichnet werden. Betroffene berichten vor allem von dauerhafter Müdigkeit und Erschöpfung. Dadurch wird Long Covid auch über die Pandemie hinaus zu einer Herausforderung für die Arbeitswelt. Was können Arbeitgeber tun?

Schätzungen des Bundesforschungsministeriums (BMBF) von Ende Mai 2021 zufolge leiden in Deutschland rund 350.000 Menschen an den Folgen einer Corona-Erkrankung. Lang anhaltende Symptome können Kopfschmerzen oder der Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn sein. Am häufigsten berichten Long-Covid-Betroffene jedoch von einer ausgeprägten Müdigkeit und Erschöpfung, die über viele Wochen anhält. Auch Konzentrationsschwierigkeiten werden genannt.

Tipps im Umgang mit Long Covid: Was Unternehmen tun können

Die Symptome nach einer akuten Erkrankung können die Arbeitsfähigkeit von Mitarbeitenden in erheblichem Maße einschränken. So wird Long Covid zu einem Problem für die Arbeitswelt. Dieses sollten Unternehmen nicht ignorieren, sagt Reinhild Fürstenberg, Geschäftsführerin und Mitgründerin des Fürstenberg Instituts, das Strategien zur Erhaltung der Gesundheit im Unternehmen entwickelt und Mitarbeiter- und Führungskräfteberatungen anbietet: "Arbeitgeber müssen auf Betroffene, die nach einer Corona-Infektion wieder zur Arbeit kommen, besonders achten. Der Weg aus der Krise führt für Unternehmen nur über gesunde und belastbare Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."

Das Fürstenberg Institut hat fünf Tipps für Unternehmen im Umgang mit Long Covid formuliert:

  1. Unternehmen sollten Gesundheit spätestens jetzt zur Aufgabe des Topmanagements machen. Auch das psychische Wohlbefinden muss einen Platz auf der Arbeit haben. Mitarbeitende benötigen dafür entsprechende Anlaufstellen. Das können speziell geschulte Personalerinnen und Personaler, Mitarbeitervertretungen oder professionelle externe Beratungsangebote zu Mental Health (EAP) sein.
  2. Den Führungskräften kommt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselfunktion zu. Sie sind im besten Fall nahe an ihrem Team dran, können Leistungseinbrüche schnell erkennen – und im Sinne der Fürsorgepflicht Entlastungen schaffen, zum Beispiel flexiblere Arbeitszeiten für Betroffene, die längere Ruhezeiten ermöglichen, oder externe Hilfen anbieten. Firmen sollten ihre Führungskräfte entsprechend für Long Covid sensibilisieren.
  3. Long Covid und Stressfolgeerkrankungen können in BEM-Prozesse (Betriebliches Eingliederungsmanagement) im Rahmen der stufenweisen Wiedereingliederung integriert werden, so wie man es von Beschäftigten mit Bandscheibenvorfällen oder Burn-out kennt.
  4. Mit dem im Arbeitsschutzgesetz verankerten Instrument GBU Psyche (Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen) können zum Beispiel mittels digitaler Fragebögen oder Workshops arbeitsbezogene Belastungen gemessen und entsprechende Maßnahmen zur Prävention entwickelt werden. Wichtig ist, dass niemand durchs Raster rutscht und Belastungszustände sich nicht weiter auswachsen.
  5. Betroffene sollten sich auf jeden Fall Hilfe suchen: über betriebliche Angebote, spezialisierte Ambulanzen oder Hausärztinnen und Hausärzte. Auch Selbsthilfegruppen für Long Covid können eine gute Hilfe sein. Wichtig ist, dass Betroffene sich mit ihren Bedürfnissen und Grenzen ihrem Umfeld sichtbar machen – vor allem auch am Arbeitsplatz. Erst dann können Sie von dort Unterstützung erwarten.


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