Neue Programme auf dem MBA-Markt

Sie eint die Idee, eine kostengünstige Alternative zu klassischen MBA-Programmen zu etablieren: The Power MBA, Quantic und University Of The People sind Beispiele von Anbietern für Management-Weiterbildungen, die den MBA-Markt aufmischen.

Während traditionelle MBA-Studiengänge angesichts der Verbreitung von Online- und Remote-Learning mit Preisdruck kämpfen, tummeln sich neue Akteure auf dem Markt: Sie bieten eine günstige Alternative zu teuren MBA-Programmen der renommierten Business Schools. Die Programme werben neben den geringen Kosten meist mit mehr Praxisbezug, schneller Reaktionszeit bezüglich aktueller Veränderungen in der Managementpraxis und einem starken Online-Fokus in der Didaktik. Kritiker bemängeln, dass die Programme qualitativ nicht mit denen von Top-Business-Schools mithalten können und kein hochwertiges Networking ermöglichen. Zu den "Disruptoren" gehören unter anderem The Power MBA, Quantic und University Of The People. Die Ansätze sind gleichwohl sehr unterschiedlich.

Disruptoren im Markt: The Power MBA

2017 gründeten Borja Adanero Guinea und Rafael Gozalo Corral, die beide einen MBA an der IE Business School in Madrid absolviert haben, gemeinsam mit Hugo Arévalo das Online-Unternehmen The Power MBA. Sie starteten mit einem spanischsprachigen Programm, seit September 2020 gibt es das erste englischsprachige. Der Kostenpunkt liegt bei insgesamt 875 Euro. Geringe Investition von Zeit und Geld, Impulsgeber aus der Praxis und kein Auswahlverfahren, so vermarktet sich der Power MBA als Alternative zu klassischen MBA-Abschlüssen. Das Programm besteht aus 250 kurzen Videolektionen (à 15 Minuten) von erfolgreichen Gründerinnen und Gründern sowie Führungskräften – darunter auch bekannte Namen wie Eric Ries, Autor von "The Lean Startup", oder Steve Chen, Mitgründer von Youtube. Von Montag bis Freitag kommt jeweils ein neues Video hinzu. Wer diese in diesem Rhythmus durcharbeitet, braucht für den Power MBA zehn Monate – insgesamt umfasst das Lernmaterial 60 Stunden. Nach 15 Monaten kann man den Zugang für drei, sechs oder zwölf weitere Monate verlängern. Zudem gibt es Templates, Guides, Zusammenfassungen oder Erklärungen von Schlüsselkonzepten zum Download.

Laut eigenen Angaben deckt das Programm alle Bereiche eines MBA-Curriculums ab, von Strategie und Management über Accounting und Finance bis hin zu Marketing und Unternehmergeist – mit dem Fokus auf digitale Geschäftsmodelle. Dabei erhalten die Teilnehmenden einen ersten Überblick über ein Thema. Das Programm ist nicht akkreditiert, was laut den Anbietern einen Vorteil in Sachen Aktualität und Flexibilität der Inhalte biete. Wer alle Kurse durchlaufen und die Multiple-Choice-Tests als Lernkontrolle dazu bestanden hat, bekommt ein "Finisher Certificate" über eine Blockchain-Technologie. Die internationalen Networking-Möglichkeiten sind begrenzt: Im Wochentakt bietet der Power MBA "Speed Networkings". Zudem organisieren lokale Communities nach Möglichkeit Meetups vor Ort. Laut den Veranstaltern zählt der Power MBA bereits 50.000 Studierende und Alumni in 90 Ländern. Allerdings kommen die meisten aus Spanien oder spanischsprachigen Ländern. Eine Qualitätskontrolle der Teilnehmenden findet nicht statt.

Quantic School of Business and Technology: Lerneinheiten per App

Pedago, die Firma hinter der Mobile-First-Schule Quantic, wurde bereits 2013 gegründet. Einer der Gründer ist Tom Adams, der selbst einen MBA am Insead in Frankreich absolviert hat und seine Mitgründer Alexie Harper und Ori Ratner von seiner Zeit beim Online-Sprachlernanbieter Rosetta Stone kennt. Quantic bietet zwei Abschlüsse an – einen MBA und einen Executive MBA. Anfangs dauerte der MBA nur zehn Monate und war kostenfrei – hier hat Quantic nachjustiert: Nun laufen beide Programme 13 Monate und kosten jeweils 9.600 Dollar, nach Bedarf ist auch ein Stipendium möglich. Den relativ kostengünstigen Preis finanziert die Schule durch das sogenannte Flipped-Tuition-Modell: Unternehmen zahlen eine Gebühr für die Rekrutierung von Studierenden aus dem Quantic-Talentpool.

Die Kurse stehen in kleinen Lerneinheiten in der Quantic-App zur Verfügung. Dafür beschäftigt Quantic ein Team aus Autorinnen und Autoren, Redakteurinnen und Redakteuren sowie Entwicklerinnen und Entwicklern und arbeitet mit Professorinnen und Professoren von Top-Business-Schools zusammen. Die Lernkohorten folgen einem strukturierten Lehrplan und arbeiten gemeinsam an Fallstudien und Gruppenprojekten auf einer Peer-Learning-Plattform. Hinzu kommen Konferenzen, virtuelle und persönliche Treffen vor Ort – etwa in Dublin, Washington DC und Singapur – und Zugang zum hauseigenen Karrierenetzwerk, das nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Studierende und Alumni umfasst. Im September 2020 meldete Quantic, bereits mehr als 30.000 Bewerbungen erhalten zu haben – bis Ende 2020 rechnete man mit 70.000 Bewerbungen. Die Akzeptanzrate liegt durchschnittlich bei zwölf Prozent. Anfang 2020 erhielt Quantic die US-Akkreditierung der Distance Education Accrediting Commission (DEAC).

UoPeople: MBA für Studierende aus finanzschwachen Verhältnissen

Auch die Online-Universität UoPeople, eine Non-Profit-Organisation, die 2009 von Shai Reshef gegründet wurde, hat einen Online-MBA im Programm. Das Angebot richtet sich vor allem an Studierende aus einkommensschwachen Verhältnissen. Laut Financial Times hat UoPeople inzwischen 60.000 Studierende – 9.000 davon in den MBA-Kursen. Der geschätzte Preis liegt bei knapp 3.000 Dollar für Prüfungen am Ende jedes Kurses, sofern man nicht über ein Stipendium verfügt. Nachdem die New York Times Ende 2013 über die Online-Universität berichtet und UoPeople 2014 die Akkreditierung der DEAC erhalten hatte, meldeten sich Dozierende von Top-Universitäten weltweit, um UoPeople ehrenamtlich zu unterstützen.

Das MBA-Programm umfasst klassische Managementfächer wie Buchhaltung, Finanzen, Marketing, Informationssysteme, Operations Management, Organisationstheorie, Strategie und Wirtschaftsethik sowie ein praktisches Abschlussprojekt. Teilnehmende können in ihrem eigenen Tempo und zu jeder Zeit online lernen. Als Vollzeitstudium dauert das Programm in etwa 15 Monate, es ist aber auch in Teilzeit möglich. Insgesamt lässt sich das Studium auf maximal fünf Jahre ausdehnen. In der Regel investieren die Studierenden 15 bis 20 Stunden pro Woche – auch für die Diskussion und das Peer-to-Peer-Lernen mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen. Akademische Partner sind unter anderem die University of California, Berkeley, die University of Edinburgh und die McGill University in Montreal.


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