Prütting/Wegen/Weinreich, B... / a) Untersuchung und Diagnosestellung.
 

Rn 209

Der Arzt ist verpflichtet, den Patienten umfassend zu untersuchen und eine Diagnose zu stellen. Ein deliktsrechtlich relevanter Behandlungsfehler liegt aber nicht bei jeder objektiv unrichtigen Diagnose, sondern nur unter besonderen Umständen vor, zB beim Unterlassen einer notwendigen Befunderhebung (s zB BGH NJW 61, 2203, 2204; BGHZ 85, 212, 217 f; 99, 391, 398 f; 138, 1, 5 ff; NJW 03, 2827 f mwN; NJW-RR 08, 263 Rz 13; VersR 14, 374 Rz 19: Verschiebung umgehend erforderlicher weiterer diagnostischer Maßnahmen; ausf Staud/J Hager § 823 Rz I 23 ff; zu möglichen Befunderhebungsfehlern bei Fernbehandlung Katzenmeier NJW 19, 1769, 1772f) oder bei Unterbleiben notwendiger Maßnahmen aufgrund einer Fehldiagnose – hier kann allerdings der Kausalitätsnachweis problematisch sein (s zB BGH NJW 95, 778 mwN; BGHZ 132, 47, 51 ff; Köln NJW 06, 69, 70; München NJOZ 06, 4538, 4539; Kobl NJW-RR 07, 532, 533; Oldbg 5 U 32/08). Eine bewusste Fehldiagnose dürfte hingegen einen Aufklärungsfehler begründen (Kobl NJW-RR 07, 1622 in Bezug auf Schönheitsoperation). Vom Befunderhebungsfehler (mit abweichender Beweislastverteilung, s.u. Rn 222 f) unterscheidet sich der Diagnosefehler dadurch, dass erhobene oder sonst vorliegende Befunde falsch interpretiert und deshalb nicht die gebotenen Maßnahmen ergriffen werden (BGH VersR 81, 1033, 1034; NJW 88, 1513, 1514; 93, 2375, 2377; BGHZ 188, 29 Rz 13 mwN; VersR 14, 374 Rz 19; NJW 16, 1447 Rz 6).

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