Nachhaltigkeitsfaktor

Zusammenfassung

 
Begriff

Der Nachhaltigkeitsfaktor ist ein Element der Formel zur Anpassung der Renten in der Rentenversicherung. In ihm spiegelt sich die Entwicklung des Verhältnisses Relation von Rentenbeziehern zu Beitragszahlern wider. Dies berücksichtigt sowohl den sich verändernden Altersaufbau der Gesellschaft als auch die Entwicklung der Geburten und der Erwerbstätigkeit. Der Nachhaltigkeitsfaktor kann die Rentenanpassung sowohl erhöhen als auch dämpfen. Weniger Beitragszahler verschlechtern die Relation zu den Rentenbeziehern und führen so zu geringeren Rentenerhöhungen. Steigt jedoch die Zahl der Beitragszahler, so verbessert sich die Relation zu den Rentenbeziehern und somit fällt auch die Rentenerhöhung stärker aus.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Sozialversicherung: Der Nachhaltigkeitsfaktor wird nach § 68 Abs. 4 SGB VI bestimmt. Die §§ 68a Abs. 1 bzw. 255e Abs. 5 SGB VI regeln den Fall, dass die Wirkung des Nachhaltigkeitsfaktors nicht oder nur teilweise anzuwenden ist. In welcher Weise die unterbliebene Wirkung später nachzuholen ist, wird in den Vorschriften der §§ 68a Abs. 2 und 3 sowie 255g Abs. 2 SGB VI geregelt.

1 Rentnerquotient

Hauptelement des Nachhaltigkeitsfaktors ist die Veränderung des Rentnerquotienten (RQ), d. h. des Verhältnisses von Rentenempfängern zu Beitragszahlern.

Um Verzerrungen aufgrund geringfügiger Beitragszahlungen bzw. Rentenleistungen zu vermeiden, wird auf die Anzahl der "Äquivalenzrentner" (äRentner) und der "Äquivalenzbeitragszahler" (äBeitragszahler) abgestellt:

  • Die Anzahl der Äquivalenzrentner ergibt sich aus der Division des Gesamtrentenvolumens durch eine Regelaltersrente mit 45 Entgeltpunkten (Standardrente). Das Gesamtrentenvolumen umfasst dabei nur die Renten und Rententeile, die nicht durch den Bund erstattet werden.[1]
  • Die Anzahl der Äquivalenzbeitragszahler wird errechnet, indem das Gesamtvolumen der Beiträge aller in der Rentenversicherung versicherungspflichtig Beschäftigten, der geringfügig Beschäftigten und – um die Situation auf dem Arbeitsmarkt abzubilden – der Bezieher von Arbeitslosengeld durch das Durchschnittsentgelt nach Anlage 1 SGB VI dividiert wird.

Bis zur Herstellung einheitlicher Einkommensverhältnisse im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland wird sowohl die Anzahl der Äquivalenzrentner als auch die Anzahl der Äquivalenzbeitragszahler für die alten und neuen Bundesländer getrennt ermittelt. Der Rentnerquotient wird dann mit den jeweils summierten Werten für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland einheitlich berechnet.[2]

2 Parameter α

Neben der Veränderung des Rentnerquotienten enthält der Nachhaltigkeitsfaktor einen Parameter α. Es handelt sich hier um ein Element, über welches das Erreichen eines Beitragssatzziels von 22 % im Jahr 2030 gesteuert werden kann.[1]

Dieser Wert wurde gesetzlich auf 0,25 festgelegt. Die Wirkung des Nachhaltigkeitsfaktors wird damit insoweit abgemildert, da die Rentnerinnen und Rentner unmittelbar zu 1/4 an der Veränderung des Rentnerquotienten beteiligt werden.

3 Schutzklausel

Eine Schutzklausel bewirkt, dass in einzelnen Jahren auch der bisherige aktuelle Rentenwert weiter bestehen bleibt, um zu verhindern, dass es zu einer Rentenminderung kommt. In diesem Fall kann sich der Nachhaltigkeitsfaktor nicht mindernd auswirken. Diese unterbliebene Minderung wird später über den sogenannten Ausgleichsbedarf nachgeholt.[1]

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