Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / db) Verkauf von WG (oder Sammlungen) aus dem PV über eBay wie ein Händler
 

Rn. 136b

Stand: EL 149 – ET: 02/2021

Die Anonymität bietet Verkäufern einen Anreiz, die mit Hilfe der Internet-Auktionsplattform eBay getätigten Umsätze und die daraus erzielten Einkünfte – auch wenn sie stpfl sind – der Besteuerung zu entziehen, indem der Verkäufer für seine Tätigkeit nicht den Status als gewerblicher sog "Powerseller" in Anspruch nimmt, sondern einen Nutzerzugang als Privatperson verwendet: s Fissenewert, DB 2015, 2349.

Bei der laufenden gewinnbringenden Veräußerung von WG über eBay in erheblichem Umfang liegt keine private Vermögensverwaltung vor, wenn der Verkäufer sich beim Aufbau der WG-Sammlung(en) zwecks kurzfristigen Güterumschlags und dem Vertrieb ähnlich verhält wie ein Händler (das ist insb bei Gebrauchsgegenständen, zB Teppichen, anzunehmen).

Im Urt BFH v 26.04.2012, V R 2/11, BStBl II 2012, 634 zur USt wurden in knapp 4 Jahren über 1 200 WG, die Gegenstände von 36 Sammlungen/Produktgruppen waren bzw darüber hinaus Einzelstücke ohne Gruppenzuordnung aus den unterschiedlichsten Lebens- und Anwendungsbereichen für rd 25 TEUR pa über eBay verkauft. Bei laufenden Verkäufen einer solchen Vielzahl von unterschiedlichen WG über eBay ist auch der damit verbundene zeitliche und logistische Aufwand ähnlich einem Händler zu berücksichtigen (der Verkäufer muss den Auktionsablauf auf eBay in regelmäßigen Abständen überwachen, um rechtzeitig auf Nachfragen von Kaufinteressenten reagieren zu können, sofern diese die auf der Auktionsseite eingestellten Wareninformationen als nicht ausreichend erachten; nach Beendigung der jeweiligen Auktion muss der Verkäufer den Zahlungseingang überwachen, um die Ware anschließend zügig verpacken und versenden zu können).

Im sog "Pelzmäntelfall" des BFH v 12.08.2015, BStBl II 2015, 919 verkaufte eine Finanzdienstleiterin neben ihrem Mann bzw in dessen Auftrag über eBay unter verschiedenen Nutzerkonten in den Jahren 2004 und 2005 in einem Zeitraum von 13 Monaten mindestens 140 Pelzmäntel in unterschiedlichen Größen an einzelne Erwerber für insgesamt 90 000, angeblich stammend aus einer privaten Sammlung ihrer verstorbenen Schwiegermutter. Obwohl es nahe lag, anzunehmen, ein erheblicher Teil der verkauften Mäntel sei erst kurz zuvor – neuwertig aus besonders günstigen Bezugsquellen oder gebraucht zB auf Flohmärkten – in der Absicht erworben worden, sie anschließend über eBay mit Gewinn weiter zu verkaufen, war das FG BdW v 18.07.2012, 14 K 702/10, DB 2013, 8 als Vorinstanz davon ausgegangen, dass die FinVerw für einen händlerartigen Erwerb mit Wiederverkaufsabsicht die Feststellungslast treffen würde. Anders als das FG BdW sah der BFH darin aber ein händlertypisches und damit gewerbliches und ustpfl Verhalten (solange allerdings umsatzsteuerlich die Kleinunternehmerregelung des § 19 UStG nicht dauerhaft überschritten wird, entfällt die USt; ansonsten sei auf § 25a UStG – Differenzbesteuerung – verwiesen).

Dabei stellte der BFH insb auf die folgenden beiden Kriterien ab:

  • Der Verkauf über eBay muss bei nichtunternehmerischer Haupttätigkeit des Verkäufers die Voraussetzungen einer nachhaltigen (Anzahl!) wirtschaftlichen Tätigkeit erfüllen. Zum Merkmal der "wirtschaftlichen Tätigkeit" führen aktive, bewährte Vermarktungsmaßnahmen wie ein Händler; ob die Verkaufstätigkeit hinreichend nachhaltig ist, hängt nicht ausschlaggebend vom Nachweis einer bereits beim Erwerb der Gegenstände vorhandenen Wiederverkaufs- oder Durchhandelnsabsicht ab: BFH v 12.08.2015, BStBl II 2015, 919, Rz 44.
  • Es ist bedeutsam, ob die Sammlung vom Verkäufer selber aufgebaut wurde oder eine für diesen fremde Sammlung zum Verkauf angeboten wird. Werden dagegen Gegenstände Dritter verkauft, spreche dies dafür, dass eine händlerähnliche Tätigkeit vorliege. Werden fremde Sammlungsgegenstände (insb Gebrauchsgegenstände) verkauft (also auch ererbtes PV bei Haushaltsauflösungen: so Fissenewert, DB 2015, 2349), sind die Kriterien, die beim Verkauf von privaten Sammlungsgegenständen üblicherweise heranzuziehen sind (s Rn 136a, Übergabe praktisch der gesamten Sammlung von Liebhaberobjekten en bloc an einen Auktionator lt BFH v 29.06.1987, BStBl II 1987, 744), nicht maßgeblich.

Zu diesen Grundsätzen folgende nrkr Einzelfallurteile:

  • Ein seit vielen Jahren leidenschaftlicher Sammler (hier: von wetterfesten Gartenmodelleisenbahnen) generiert durch langjährige und umfangreiche (über 1 000) Abverkäufe aus seiner selbst aufgebauten und räumlich separierten Privatsammlung über "eBay" aber lt FG RP dennoch gewerbliche Einkünfte, wenn er ein Gewerbe "Handel mit Modellbahnen und Zubehör" bereits drei Jahre zuvor angemeldet hatte und zudem die Verkaufstätigkeit nach eigenen Angaben auf jahrzehntelanger Erfahrung beruhte: FG RP v 21.08.2018, EFG 2019, 1192, nrkr, Az BFH X R 18/19. Ob dies auch gilt, wenn diese Abverkäufe nur die Finanzierungsgrundlage für eine weitere, neben dem Hauptberuf existierende, neu hinzugetretene gewerbliche Tätigkeit darstellen, wird ua der BFH klären, wohl auch den Zeitpunkt der Einlage in das B...

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